An einem herbstlichen Freitagmorgen ereignete es sich: Um 09:38 klingelte der Gong zur 3. Stunde, und wir bewegten uns (natürlich mit der individuell einkalkulierten Verspätung unserer Deutschlehrkräfte) in Richtung Blauer Bau.
In dieser ersten Deutschstunde nach den Sommerferien war eigentlich alles ganz normal – zumindest in einem unserer drei Deutschkurse. Die anderen beiden blickten der knallharten Realität ins Gesicht:
Tabletverbot in der Q13.
(in Deutsch)
Laut unseren Lehrer*innen wurde diese Entscheidung unter allen Mitgliedern der Fachschaft Deutsch getroffen – auch wenn sich der eine Deutschkurs anfangs nicht daran hielt. Zähneknirschend steckten die Tabletnutzer*innen ihre digitalen Endgeräte zurück in ihre Schultaschen.
Auch ich fand diese Neuerung ziemlich unnötig, um es nett auszudrücken. Die Schüler*innen, die sich mit Tablet ablenken können, schaffen das wohl auch ohne digitale Bimmelkiste. Diejenigen, die mit Tablet aufpassen, werden es auch mit Stift und Papier tun.
Als unser Deutschlehrer jedoch nochmals deutlich verlautbarte, dass diese Regelung ab jetzt gelten würde, schmiedeten wir einen Plan: Die Regelung soll durch alternative Dokumentationsmöglichkeiten, also alles außer Stift und Papier so lächerlich wie möglich gemacht werden.
Hier eine chronologische Liste von unseren durchgeführten Ideen:
- iPad Rückseite
Wenn wir schon nicht auf dem Display unserer Tablets schreiben dürfen, dann vielleicht auf der anderen Seite? Nach diesem Prinzip haben wir also die Rückseite eines iPads als Schreibfläche genutzt. Grüße gehen vor allem an Lena Bamberger raus!

- Magnettafel & Analogkamera
Diese Magnettafeln kennen irgendwie alle, und es gibt auch keine Person, die eine solche während ihrer Kindheit nicht ihr Eigen nennen konnte. Neben Blümchen, Autos und Häusern kann natürlich auch Interessantes zu »Der zerbrochne Krug« darauf festgehalten werden.
Immer dann, wenn die Tafel vollgeschrieben war, haben wir sie mit einer Analogkamera abfotografiert, um die wichtigen Lerninhalte auf analogen Film abzulegen.

- Kreidetafel
Die etwa A4-große Kreidetafel wurde sich von einem Musiklehrer (mit dessen Erlaubnis) ausgeliehen. Jedoch ist es in einer durchschnittlichen deutschen Schule nunmal nichts ungewöhnliches, Informationen mit Kreide auf einer Tafel festzuhalten, weswegen diese Dokumentationsform für nicht so viel Aufsehen sorgte.
Man munkelt, die Tafel steht heute im Kollizimmer und hat ihren Weg noch nicht zurück gefunden…
BILD FOLGT!
- Wachstafel
Da uns während der Coronapandemie die Xantenfahrt ersatzlos gestrichen wurde, hatte niemand von uns diese recht offensichtliche Methode der Dokumentation sofort zur Hand. Eines Sonntagabends endschied ich mich dazu, mein Hab und Gut um eine Wachstafel zu erweitern und baute kurzerhand eine. Das Beschreiben der Tafel war problemlos möglich, das Löschen jedoch nicht (ein Feuerzeug half nur sehr bedingt). Dafür war diese Dokumentationsmethode die wohl am besten riechendste (von manchen wurde das allerdings bestritten).

- Schiefertafel
Eine klassische Schiefertafel (mit Lösungsmittelgeruch). Mit richtigem Griffel und so. Was guckt ihr denn so, in der Schule war es früher normal, auf diese Weise zu schreiben. Zugegeben; das Quietschen nervt irgendwann. Aber wenn man sich bemüht, dann geht das Schreiben fast geräuschlos (oder auch nicht).

- Schreibmaschine
Was ist noch lauter und noch nerviger als das Kratzen einer Schiefertafel? Richtig, das Klappern einer mechanischen Schreibmaschine! Die logische Konsequenz also? Eine mit in die Schule nehmen! Praktischerweise befand sich eine Reiseschreibmaschine noch im Haushalt der Großeltern und wartete drauf, wieder benutzt zu werden. Für den Schreiber eine wunderbare Dokumentationsmethode. Für den restlicher Kurs eher weniger… natürlich mussten sich Leute beschweren 🙁

- Steintafel und Meißel
Die älteste bekannte Steintafel ist rund 5200 Jahre alt und was damals funktioniert hat, funktioniert heute auch noch. Die Idee kam als logische Schlussfolgerung aus der Aufgabe möglichst weit weg von einem Tablet zu kommen. Zudem ist es so laut und ineffizient wie möglich und ein einziger Buchstabe benötigte zwischen zwei und fünf Anschlägen.

Doch die wirkliche Freude in dem Benutzen von Hammer und Meißel liegt in seiner symbolischen Bedeutung. Es v*rdeutlicht, wie sehr man kein Tablet nutzt. Es strahlt aus, dass der Text der Tafel von vielen wichtigen Dingen handelt. Und vorallem beweist es, dass es immer eine noch dümmere Idee gibt.
Das waren nun also alle unsere tollen Ideen, ein Tablet durch eine bessere Möglichkeit zum Aufschreiben zu ersetzen – ich hoffe es wird klar, wie nervig wir das Tabletverbot finden.
Übrigens, im zweiten Teil finden sich noch ein paar Schreibalternativen, die trotzdem auf gewöhnliches Papier zurückgreifen. Lesen lohnt sich!
Bis dahin, mit tabletfreien Grüßen! 📵
